Marie-Catherine d’Aulnoy

Die Feenmärchen der Madame d’Aulnoy

Marie-Catherine d’Aulnoy (* 1650, † 1705), geborene Le Jumel de Barneville, auch bekannt als Madame d’Aulnoy, war eine französische Schriftstellerin, deren Romane, Novellen, Reiseberichte und Märchen sich zu ihren Lebzeiten und im 18. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten. Die anfänglich positive Aufnahme auch bei der Kritik wendete sich im 19. Jahrhundert; ihr Stil galt nun als zu weitschweifig, verschnörkelt und sentimental. Während der größere Teil ihres Werkes in Vergessenheit geriet, fanden ihre Märchen weiterhin Beachtung. In den Jahren 1697/98 veröffentlichte sie acht Bände mit insgesamt 24 Märchen. Zu den im deutschsprachigen Raum bekanntesten zählen Der blaue Vogel und Die weiße Katze, zwei Beispiele, die in Inhalt und Stil typisch für die Märchen der Madame d’Aulnoy sind. Thema ist die romantische Liebe zwischen einem Prinzen und einer Prinzessin, die vor dem Happy End ein Hindernis aus dem Weg räumen müssen. Das Hindernis manifestiert sich vor allem darin, dass einer der Partner in ein Tier verwandelt ist (in Der blaue Vogel der Mann, in Die weiße Katze die Frau). Immer sind, als Trägerinnen des Fantastischen, Feen mit im Spiel, die die Geschicke des Paares im Hintergrund lenken, wobei gelegentlich auch böse Feen auftretemn (z.B. in Der gelbe Zwerg). Diesem Stilmittel verdanken die französischen Kunstmärchen des 17./18. Jahrhunderts die Bezeichnung »Feenmärchen«. Neben Charles Perrault ist Marie-Catherine d’Aulnoy die wichtigste Vertreterin dieses Genres. Die Stoffe für ihre Märchen entnahm die aus dem niederen Adel stammende Schriftstellerin zum Teil den kursierenden Volkserzählungen, zum Teil ihrer eigenen Fantasie. Außerdem verarbeitete sie einige Märchen aus der Sammung von Francesco Straparola (Ergötzliche Nächte, 1550–53). Im Zentrum steht bei d’Aulnoy immer die weibliche Hauptfigur, deren Gefühls- und Gedankenwelt weit facettenreicher dargestellt wird als im Volksmärchen üblich. Sie ist die Aktive, während der Partner zwar mit heldenhaften Attributen ausgestattet wird, aber passiv im Hintergrund bleibt; so etwa in Der Orangenbaum und die Biene, wo ein Liebespaar vor Menschenfressern fliehen muss und diese Flucht allein von der Frau organisiert wird. Auch die Beschreibung von höfischen Vergnügungen (Tänze, Spiele, Kleider) nimmt mitunter breiten Raum ein. Dabei ist die weibliche Figur immer die Aktive, ihre Glücksvorstellungen zielstrebig Verfolgende, während der Prinz eher passiv erscheint.

Für sie selbst ging die Sehnsucht nach Glück und romantischer Liebe nicht in Erfüllung. Als Fünfzehnjährige wurde sie mit dem 30 Jahre älteren Baron d’Aulnoy verheiratet und bekam mehrere Kinder. Durch eine Intrige, in die zumindest die Mutter von Marie-Catherine involviert war, wurde der Baron 1669 wegen Majestätsbeleidigung (gegenüber Ludwig XIV.) inhaftiert, kam aber bald wieder frei. Dieses Ereignis führte zur dauerhaften Trennung des Paares. Wo und wie Madame d’Aulnoy in den darauffolgenden fünfzehn Jahren lebte, ist so gut wie nicht bekannt. Erst 1685 ließ sie sich wieder in Paris nieder, wo sie einen literarischen Salon eröffnete. Ab 1690, also im Alter von 40 Jahren, wurde sie selbst schriftstellerisch tätig und auf Anhieb erfolgreich. 1699 wurde sie erneut mit einer Intrige in Verbindung gebracht, weshalb sie sich in ein Kloster zurückzog. Marie-Catherine starb 1705, vermutlich im Alter von 55 Jahren.

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