Märchenquiz

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Der Orangenbaum und die Biene

Der Orangenbaum und die Biene

französisches Feenmärchen von Marie-Catherine d’Aulnoy (* 1650, 1705). In den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm ist ein ähnliches Märchen, Der Liebste Roland, enthalten.

Inhalt

Die Tochter des Königs von den glücklichen Inseln geht als kleines Mädchen bei einer stürmischen Fahrt übers Meer verloren und wird ins Reich der Menschenfresser gespült. Anstatt sie aufzufressen, beschließt das Menschenfresserpaar, sie als künftige Braut für ihren Sohn aufzuheben. Kurz vor ihrer Hochzeit findet sie beim Spazierengehen am Strand einen schiffbrüchigen Prinzen, der sich als ihr Vetter erweist. Er war unterwegs zu den glücklichen Inseln, denn da das Königspaar außer der verlorenen Tochter keine weiteren Kinder hat, war er als Thronfolger vorgesehen. Die Prinzessin versteckt ihn vor den Menschenfressern und versorgt ihn mit den Früchten des Waldes. Drei Tage vor ihrer geplanten Hochzeit tritt sie sich einen Dorn in den Fuß und kann deshalb nicht zu ihm kommen. Beunruhigt verlässt er trotz ihrer Warnung sein Versteck und wird prompt von den Menschenfressern entdeckt. Die Prinzessin kann immerhin verhindern, dass er sofort verspeist wird, indem sie darum bittet, ihn als Hochzeitsbraten aufzuheben. Noch am selben Abend beschließen die beiden Menschenkinder, die sich auf den ersten Blick ineinander verliebt haben, zusammen zu fliehen.

Die Prinzessin stibitzt den Zauberstab der Menschenfresserin und bereitet einen Teig zu. In den Teig steckt sie eine Bohne und verzaubert das Ganze mit dem Zauberstab dergestalt, dass die Bohne in dem Teig verständig antworten kann, solange sie noch nicht gar gekocht ist. Den Teig mit der Bohne legt sie in die Asche. Nachdem die Menschenfresserin eingeschlummert ist, macht sich die Prinzessin mit ihrem Liebsten auf die Flucht. Mehrmals fragt die Alte im Halbschlaf, warum sich das Mädchen nicht endlich schlafen legt. Jedesmal antwortet an ihrer Stelle die Bohne, und zwar jedesmal so vernünftig, dass die Alte keinen Verdacht schöpft. Erst im Morgengrauen bleibt die Bohne stumm, weil sie in der Asche schließlich gar geworden ist. Der Menschenfresser schnürt seine Siebenmeilenstiefel und nimmt die Verfolgung der Geflohenen auf. Als die Prinzessin ihn herannahen sieht, verwandelt sie ihren Liebsten mithilfe des Zauberstabs in ein Teich und sich selbst in ein altes Weib, das auf einem Kahn über den Teich fährt. Dem Menschenfresser erzählt sie, die beiden Gesuchten seien nach links gegangen. Kaum ist er in diese Richtung entschwunden, entzaubert sie sich und den Geliebten, und setzt die Flucht in der anderen Richtung fort. Der Menschenfresser kehrt erfolglos nach Hause zurück, wo seine Frau ihn einen Trottel schimpft: die Alte auf dem Teich sei niemand anderes als die Prinzessin gewesen. Er zieht noch einmal die Siebenmeilenstiefel über und ist den Fliehenden bald wieder dicht auf den Fersen. Wieder gelingt es der Prinzessin, den Unhold zu übertölpeln, indem sie sich in einen Zwerg und den Geliebten in ein Gemälde verwandelt. Als Zwerg weist sie ihm erneut einen falschen Weg, sodass er ein zweites Mal unverrichteter Dinge heinkehrt. Diesmal zieht die Menschenfresserfrau, die schlauer ist als er, selbst die Siebenmeilenstiefel an. Die Prinzessin weiß, dass sie diesmal kaum eine Chance haben, weil sich die Alte nicht einfach übertölpeln lässt. Sie verzaubert ihren Liebsten in einen Orangenbaum und sich selbst eine Biene. Außer Atem lässt sich Menschenfresserweib unter den Orangenbaum nieder, um ein wenig auszuruhen. Die Biene sticht sie an tausend Stellen als wäre sie ein ganzer Bienenschwarm, bis die Alte sich zerstochen und blutend davonmacht.

Doch für die beiden Liebenden gibt es noch kein Happy End. Während des Kampfes waren Fremde an dem Orangenbaum vorübergegangen und hatten den Zauberstab mitgenommen. Deshalb ist es den beiden unmöglich, ihre menschliche Gestalt wieder anzunehmen. Eines Tages kommt eine andere Prinzessin vorbei und möchte einen Zweig von dem Orangenbaum abbrechen. Dabei wird sie von der wütenden Biene attackiert, und als es ihr schließlich doch gelingt, einen Zweig zu erobern, stößt der Baum einen Schmerzensschrei aus und Blut strömt aus der Bruchstelle. Sie weiß, dass das nicht mit rechten Dingen zugehen kann und wendet sich an die Feen. Der Orangenbaum und die Biene werden von den Feen zurückverwandelt, kehren an den elterlichen Hof der Prinzessin zurück, dürfen heiraten und werden König und Königin.