Le Petit Chaperon Rouge

Das kleine Rotkäppchen (Charles Perrault)

In der Grimmschen Fassung zählt das Märchen von Rotkäppchen hierzulande zu den bekanntesten Märchen überhaupt. Eine in einigen Punkten abweichende Fassung mit dem Titel Le petit chaperon rouge (Das kleine Rotkäppchen) ist bereits in der Märchensammlung von Charles Perrault, veröffentlicht 1697, enthalten. Die folgenden Angaben beziehen sich auf diese Fassung.

Rotkäppchen trifft auf dem Weg zur Großmutter den Wolf. Illustration von Harry Clarke
Illustration Harry Clarke (The Fairy Tales of Charles Perrault, Harrap, London, 1922)

Inhalt

Im Gegensatz zur Grimmschen Version der Geschichte vom süßen kleinen Mädchen und dem bösen Wolf (siehe Rotkäppchen) geht das Märchen bei Charles Perrault für Rotkäppchen nicht gut aus. Die Geschichte endet, nachdem der Wolf sowohl die Großmutter als auch das Rotkäppchen verschlungen hat; der rettende Jäger bleibt aus. Die moralische Absicht Perraults — Warnung vor Sittenstrolchen und kleinen Mädchen, die es ihnen nur allzu leicht machen — zeigt sich in eindeutig sexuell interpretierbaren Passagen. Diese sind in der Grimmschen Version nicht mehr enthalten. So fordert der Wolf das Rotkäppchen auf, sich zu ihm (d.h. ihr — der Großmutter) ins Bett zu legen, und Rotkäppchen zieht dafür ihre Kleider aus. Im Bett, bevor sie gefressen wird, staunt sie gar sehr, wie die Großmutter ohne Kleider beschaffen ist.

Auch Perraults Fassung ist nicht »die Originalfassung« des Rotkäppchen-Stoffes. Die ursprünglich mündlich überlieferte Geschichte lässt sich nicht bis an die Quelle(n) zurückverfolgen. In einigen Versionen taucht das Element des Kannibalismus auf, indem Rotkäppchen unwissentlich vom Fleisch ihrer Großmutter ist und von ihrem Blut trinkt.

Als Ergänzung zum vorliegenden Artikel empfehlen wir unsere kommentierte Sammlung von Illustrationen zum Märchen Rotkäppchen.

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