Ritter Blaubart

Ritter Blaubart

Das Märchen vom Frauen mordenden Ritter Blaubart (Märchentyp ATU 312) ist in der Märchensammlung Contes de ma Mère l’Oye (1697) von Charles Perrault enthalten und fand von dort aus den Weg in viele europäische Märchensammlungen, so auch in die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm (nur in der ersten Auflage, KHM 62a) und das Deutsche Märchenbuch von Ludwig Bechstein (Das Märchen vom Ritter Blaubart). Ähnliche Märchen: u.a. Fitchers Vogel, Das Mordschloss, Der Räuberbräutigam.

Inhalt

Ein mächtiger Ritter möchte eine der beiden schönen Töchter seiner Nachbarin heiraten. Trotz seines Reichtums wirkt er auf das junge Mädchen abstoßend — wegen seines blauen Bartes, aber auch wegen des unheimlichen Umstands, dass er schon mehrfach verheiratet war und niemand weiß, was aus all den Frauen geworden ist. Blaubart versteht jedoch, um eine Frau zu werben, sodass das Mädchen schließlich doch einwilligt.

Ritter Blaubart, Märchen von Charles Perrauöt, Illustration Gustave Dore

Ritter Blaubart. Illustration von Gustave Doré

Nach den Flitterwochen muss Blaubart für mehrere Wochen verreisen und übergibt seiner jungen Frau die Schlüssel für alle Vorrats- und Schatzkammern seines Schlosses. Sie könne sich überall nach Herzenslust umschauen, auch ihre Freundinnen dazu einladen. Nur ein kleines Kabinett am Fuße einer verborgenen Wendeltreppe verbietet er ihr aufs Strengste.

Kaum ist der Ritter abgereist, eilen Freundinnen und Nachbarinnen herbei, um den Reichtum der Beneideten zu bestaunen. Der Frau des Hauses jedoch steht der Sinn nicht nach Gold und edlem Tafelgeschirr, sondern einzig nach der verbotenen Kammer. Sie sondert sich von ihren Gästen ab und begibt sich zu jenem unheimlichen, doch anziehenden Ort. Als sie die Tür aufschließt bietet sich ein Bild des Grauens: geronnene Blutlachen auf dem Boden und überall Frauenleichen. Ihre Vorgängerinnen. Entsetzt verlässt sie die grausige Kammer. Sie bemerkt auf dem bewussten Schlüssel, der ihr in der Kammer vor Schreck auf den Boden gefallen war, einen Blutfleck. So oft sie ihn auch abwischt, taucht er an einer anderen Stelle wieder auf.

Zu allem Unglück kehrt der mörderische Gatte überraschend noch am gleichen Abend zurück. Er verlangt seine Schlüssel, und mit fadenscheinigen Ausreden versucht sie, ihm den einen, den mit dem verräterischen Blutfleck, vorzuenthalten. Doch Blaubart lässt nicht locker. Er weiß, dass sie die Kammer betreten hat, und sie weiß, dass er es weiß. Damit scheint das Schicksal der jungen Frau besiegelt.

»Nun wohl, du sollst deinen Willen haben, du wirst hineinkommen in dieses Kabinett und wirst deinen Platz einnehmen neben den Damen, die du dort zu sehen das Vergnügen hattest.«

Doch mithilfe ihrer Schwester und ihren beiden Brüder wird Blaubart besiegt. Seine Reichtümer teilt die mit dem Schrecken davongekommene junge Witwe mit ihren Geschwistern.

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