Riquet mit dem Schopf

Riquet mit dem Schopf

Märchen von Charles Perrault (Contes de ma mère l’Oye, 1697)

Inhalt

Eine Königin bringt einen missgestalteten Knaben zur Welt. Eine Fee versichert ihr, dass er sehr liebenswürdiger Mensch von hohem Verstand würde und dass er dank einer besonderen Gabe von ihr seinen Verstand später auf die von ihm geliebte Frau übertragen könnte. Tatsächlich gedeiht der Junge so gut, wie es die Fee vorher gesagt hat. Wegen seines auffälligen Haarschopfes wird er Riquet mit dem Schopf genannt (Riquet ist der Familienname).

In Nachbarland hat kurze Zeit nach der Geburt des Jungen die Königin zwei Mädchen zur Welt gebracht: die Ältere schön aber dumm, bei der Jüngeren ist es umgekehrt. Die Fee, die schon die Mutter von Riquet mit dem Schopf mit ihrer Prophezeiung getröstet hat, hat auch für die dumme Tochter dieser Königin ein Geschenk: ihre Schönheit wird auf den Mann übergehen, der ihr Herz gewinnt.

Riquet mit dem Schopf, Märchen von Charles Perrault. Illustration Harry Clarke

Riquet mit dem Schopf. Illustration Harry Clarke

Zunächst sieht es nicht gut aus für die schöne, aber dumme Tochter. Ihre hässliche jüngere Schwester steht dank ihres Verstandes immer Mittelpunkt, während sie selber abseits steht. Das Mädchen ist sich ihres geringen Verstandes wohl bewusst und so unglücklich darüber, dass sie lieber hässlich als dumm wäre. Eines Tages trifft sie bei einem Spaziergang auf Riquet mit dem Schopf, der sich in ihr Bild verliebt und nach ihr gesucht hat. Er bemerkt, wie unglücklich sie ist, und sie gesteht ihm den Grund dafür. Daraufhin bittet er sie, ihn zu heiraten, denn dann würde sein verstand auch ihr zuteil werden. Sie vereinbaren ein Jahr Bedenkzeit für die Prinzessin. Während dieser Bedenkzeit kommt die Prinzessin tatsächlich zu Verstand, was aber auch zur Folge hat, dass sie es nicht mehr für eine gute Idee hält, den hässlichen Riquet zu heiraten. Aber am Ende krriegen sie sich natürlich, weil auch auf Riquet die Gabe seiner Angebeten (die Schönheit) übergeht.

Perrault fügte am Ende jedes seiner Märchen eine kurze Moral der Geschichte an. Hier lautet sie (in deutscher Übersetzung):

Was man ersieht aus dieser Mär,
Ist nicht erlogen, sondern wahr:
Das, was man liebt, ist nie der Schönheit bar
Und hat auch Geist; was braucht es mehr?

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