Eselshaut

Eselshaut

Peau d’Âne

Märchen von Charles Perrault, 1694
Die Brüder Grimm nahmen eine Variante der Geschichte unter dem Namen Allerleirauh in ihre Sammlung auf.

Eselshaut, Märchen von Charles Perrault. Märchenbilder von Gustave Doré

Eselshaut, Illustration von Gustave Doré

Ein König lebt mit seiner Frau und seiner einzigen Tochter glücklich und ohne Sorgen. Quelle ihres Wohlstands ist ein Esel, der statt Kot Geldstücke absondert, die man des Morgens nur zusammenzufegen braucht. Als die Königin ihr Ende nahen fühlt, nimmt sie ihrem Mann das Versprechen ab, eine zweite Ehe nur dann einzugehen, wenn die neue Frau schöner ist als sie selbst. Unmittelbar nach dem Tod seiner geliebten Frau denkt der König überhaupt nicht ans Heiraten, doch bald sieht er ein, dass eine neue Ehe schon wegen der Thronfolge notwendig ist.

Der König lässt überall nach einer Frau suchen, die schöner ist als die verstorbene Königin. Dies scheint unmöglich, doch dann verfällt er auf die Idee, seine eigene Tochter — die tatsächlich noch schöner ist als ihre Mutter — zu ehelichen. Das junge Mädchen verabscheut instinktiv eine solche Verbindung und bittet ihre Patin, eine Fee, um Hilfe. Die kluge Fee weiß, dass die Prinzessin das Ansinnen ihres Vaters nicht brüsk ablehnen, aber auch nicht annehmen darf. Sie rät der Prinzessin deshalb, eine Forderung zu stellen, die unmöglich zu erfüllen ist. Die Prinzessin wünscht sich ein Kleid von der Farbe des Wetters. Doch dem König gelingt es, diesen Wunsch zu erfüllen. Auch die nächsten beiden Wünsche — Kleider von der Farbe des Mondes und der Sonne — werden der Prinzessin erfüllt. Verzweifelt wendet sie sich wieder an die Fee, die ihr diesmal rät, etwas zu fordern, was ihren Vater an einer wunden Stelle trifft: die Haut des kostbaren Esels. Doch das Jawort seiner eigenen Tochter ist dem König mehr wert als der kostbare Esel, sodass er ihr auch diesen Wunsch erfüllt.

Die Prinzessin flieht nun auf Anraten der Fee vom Hof ihres Vaters. Um nicht erkannt zu werden, beschmiert sie ihr Gesicht mit Ruß und hüllt sich in die Haut des getöteten Esels. Ihre kostbaren Kleider nimmt sie mit sich. Nach einer Zeit als Landstreicherin findet sie Aufnahme in einer Meierei, wo sie die niedrigsten und schmutzigsten Arbeiten verrichtet. Wegen ihrer seltsamen Gewandes wird sie nur »Eselshaut« genannt. Immer sonntags zieht sie in ihrer Kammer eines ihrer schönen Kleider an. Eines Tages beobachtet ein Prinz durchs Schlüsselloch das schöne Mädchen und wird alsbald krank vor Liebe. Ähnlich wie in der Geschichte vom Aschenputtel (Cendrillon) finden die beiden zueinander, und auch dem Vater der Prinzessin wird am Ende verziehen.

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